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Kunstsparten / Fotografie / Gudlaugur Bjarnason /


Rede von Cornelia Hüge

Gudlaugur Bjarnason „Reykjavik“

Fotografien 1987-1993 aus der Werkgruppe „Baustellen“

Rede zur Ausstellungseröffnung in der Galerie R 31, 1. April 2005


Lieber Gudlaugur, liebe Denise, lieber Klaus, liebe Freunde der Galerie R 31,
sehr geehrte Damen und Herren!

Gudlaugur Bjarnason, dessen Fotografien in diesen Räumen zu sehen sind, gibt selbst gern Erläuterungen zu seinen Arbeiten und er schätzt es nicht nur, sondern er hält es für wichtig, dass über seine Bilder, Objekte und Installationen gesprochen wird.
Eine gute Voraussetzung für jegliche Form der Vermittlung zwischen Kunstwerk und Betrachter und somit auch für eine einführende Rede.
Meine Einführung heute Abend ist der Versuch einer Annäherung, die ausgehend vom sicheren Terrain biographischer Fakten in die komplexe und mehrdeutige Welt der hier ausgestellten Bilder führt.
Gudlaugur Bjarnason in Selfoss geboren und in Reykjavik aufgewachsen, verließ 1989 Island um in den folgenden Jahren in verschiedenen europäischen Städten – u.a. in Edinburgh, Düsseldorf und Prag zu leben und zu arbeiten. In dieser Zeit setzte er zunächst noch seine Ausbildung zum Bildhauer fort, wandte sich seit Anfang der 90er Jahre aber zunehmend der Fotographie zu, die heute sein bevorzugtes Ausdrucksmittel ist.
Neben Fotos und Fotoinstallationen anderer Bildthematik entstand im Verlauf von mehr als zehn Jahren die Werkgruppe der Baustellen-Bilder, die Baustellen-Fotos aus mehreren Städten, u.a. auch Berlins, wo Bjarnason heute lebt, in sich vereint.

Ausschließlich in Reykjavik und im Wesentlichen zwischen 1990 und 1993 entstanden die Fotos, die ab heute hier zu sehen. Die Ausstellung bildet den Auftakt einer Rückblende, eines Rückblicks auf frühere Arbeiten und zurückliegende Lebensstationen. Weitere Ausstellungen, von in anderen Städten aufgenommenen Baustellen-Motiven, werden sich anschließen.

Grossansicht
Hallgrimskirkja 1987
Die Fotografien, die hier über zwei Räume verteilt sind, zeigen Baustellen im engeren und weiteren Sinne. In einigen wenigen, bereits Ende der 80er Jahre entstandenen Fotos deutet sich das Baustellenthema zunächst erst an. Eine optische Irritation verursacht beispielsweise die eingerüstete Turmspitze der berühmten Hallgrimskirche in Reykjavik. Die Baustelle des neu entstehenden Rathauses der Hauptstadt ist noch integriert in eine Stadtansicht. In den späteren Bildern wird die genaue Identifzierbarkeit der Aufnahmeorte eher unwesentlich, bildbeherrschend wird die Baustelle selbst.
Gudlaugur Bjarnason – dies zeigen bereits die frühen und alle späteren hier ausgestellten Fotos, setzt nicht die imposante, von hektischer Betriebsamkeit und Lärm geprägte Großbaustelle ins Bild. Er zeigt nicht das von Arbeitern oder Touristen bevölkerte Riesenareal, das mit himmelstürmenden Hochbauten die Eroberung von Stadträumen oder Landschaften symbolisiert.
Grossansicht
Wellblechhaus 1991
Bjarnasons Ausgangsmotive sind prosaische Baustellen.
Grossansicht
Nationaltheater 1990
Er wählt eingerüstete Häuser, Baustellenzelte und reparaturbedürftige Straßen, konzentriert sich auf Objekte und Situationen, die im Alltag kaum oder als störend wahrgenommen werden, im Prozess der Bildwerdung aber eine immense Umwandlung erfahren und eine ihnen eigene Ästhetik erkennen lassen.
Häufig seriell, in Motivvarianten, in wechselnden Bildausschnitten und Perspektiven erfasst, werden aus den Ursprungsmotiven formal und inhaltlich vielfältige und hintergründige Bilder.

Grossansicht
Drei Böcke, eine Brücke 1993
Da ist beispielsweise die entstehende Holzbrücke in weiter Winterlandschaft, die mit ihren roten Markierungen trotzig und rührend wirkt, aber auch komisch und absurd, weil ihr Fortbestand angesichts ihrer Umgebung recht fragwürdig erscheint.
Grossansicht
Baustellenzelt 1991
Zu nennen sind die Bilder zweier Bauzelte, die in verschiedenartigem Kontext und in unterschiedlicher Situationen fotografiert, einmal den Archetypus einer menschlichen Behausung im anderen Fall ein ominöses braunes Objekt voller Eigenleben zeigen.

Grossansicht
In Steindorf 1990
Eine große Gruppe der in Reykjavik entstandenen Fotografien sind Bilder von aufgerissenen Straßen. Bilder, die den Blick freigeben auf Kabel und Rohre, auf die inneren Organe, die Lebensadern der Stadt; teils provisorisch und in fragilen Konstruktionen gegen rutschendes Erdreich oder aus dem Boden dringendes Wasser gesichert. Querverweis auf... Fortsetzung der Rede

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Großansicht ?
G.Bjarnason: Rathaus, 1988
von:G.Bjarnason
online seit 25.10.2007
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