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/ Das System /


Humberto R. Maturana: P.S.: KREATIVITÄT & FREIHEIT
...und für die ganz Hartgesottenen noch ein Leckerbissen von einem Mitbegründer des sogenannten "Radikalen Konstruktivismus":

"Wir erzeugen (...) buchstäblich die Welt, in der wir leben, indem wir sie leben. (...) Dies ist Kreativität: die Erzeugung von (für den Beobachter unerwarteten) Unterscheidungen durch einen Organismus, und zwar durch seine Interaktionen mit Systemen, an die er nicht strukturell gekoppelt ist (d.h. die operational von ihm unabhängig sind) und an die er aufgrund eben dieser Interaktionen strukturell gekoppelt werden kann. (...) Der Organismus ist frei, obwohl sein Operieren deterministisch ist, wenn er konsensuelle Bereiche zweiter Ordnung generieren kann; er kann nämlich dann als rekursiver Beobachter seiner Verhältnisse operational voneinander unabhängige konsensuelle Gegenstände generieren. Dies ist in der ganzen Menschheitsgeschichte stets wohl verstanden worden. Wenn ein Mensch das soziale System beobachten kann, das er durch sein Verhalten erzeugt, kann er es ablehnen und so zu einem Auslöser des Wandels werden; kann er jedoch nur Interaktionen durchlaufen, die durch das von ihm mitintegrierte soziale System bestimmt sind, dann kann er kein Beobachter des Systems werden, und sein Verhalten kann dieses System nur bestätigen. Daher zielt alle politische Gewaltherrschaft explizit oder implizit darauf, Kreativität oder Freiheit zu reduzieren, indem sie alle sozialen Interaktionen vorschreibt, um Menschen als Beobachter auszuschalten und die eigene Herrschaft zu stabilisieren. Um dieses Ziel vollständig zu erreichen, muß jedoch die typisch menschliche Lebensweise der Kreativität vollständig unterdrückt werden, und dies ist solange unmöglich, als die Fähigkeit der Erzeugung konsensueller Bereiche zweiter Ordnung gegeben bleibt, wie sie etwa der Gebrauch der menschlichen Sprache erfordert. Jeder Mensch steht als autopoietisches System allein auf der Welt. Wir wollen jedoch nicht beklagen, daß wir in einer subjektabhängigen Realität existieren müssen. Auf diese Weise ist das Leben interessanter, denn die einzige Transzendenz unserer individuellen Einsamkeit, die wir erfahren können, entsteht durch die konsensuelle Realität, die wir mit anderen schaffen, d.h. durch die Liebe zueinander."


Auszug aus BIOLOGY OF LANGUAGE: THE EPISTEMOLOGY OF REALITY,
erstveröffentlicht 1978, Zitat in deutscher Übersetzung entnommen aus dem Buch:

"Biologie der Realität",

1998 von Humberto R. Maturana


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